Jügesheimer Geschichte aus der Sicht des Schützenvereins

 

Die im Jahre 1261 erstmals urkundlich erwähnte Gemeinde "Gugingsheim" war zusammen mit den Dörfern des "Amtes Steinheim" von einem Schutzwall umgeben, der wahrscheinlich Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet wurde als Verteidigungslinie gegen Überfälle und Beutezüge des Nachbarn. Reste diese Erdwalles und der Wassergräben sind noch Heute am sogenannten "Froschhäuser Eck" nachweisbar.

Straßen, die die "Zent Steinheim" verließen, waren durch "Schlege" (Schlagbäume) gesichert, die man benutzte, um Wege- und Geleitsgelder zu kassieren. Ein solcher Übergang befand sich zwischen Dudenhofen und Jügesheim (Landwehrstraße).

Außerdem waren die Nutzungsrechte in der "Röder Mark" streng geregelt und deren Übertretung mit Strafen bedroht. Zur Erhebung und Eintreibung dieser "Bußen" waren sicherlich Bewaffnete notwendig gewesen.

Was liegt näher als die Annahme, dass auch die wehrfähigen Männer von Jügesheim zu diesen Zweck und zum Schutz der Gemeinde aufgeboten wurden und sich damals schon in einer Schützengilde zusammengefunden haben, Beratungen abhielten und sich gemeinsam im Gebrauch der Waffen übten.

Es liegen Rechnungen aus dem 15. Jahrhundert vor, aus denen hervorgeht, dass die in Schützengilden zusammengefassten wehrfähigen Männer der Isenburgischen Dörfer mit Armbrust, Hellebarden, Harnisch und Sturmhut ausgerüstet waren. Mit Einführung des Schießpulvers wurden die Schützen mit Gewehren ausgerüstet.

Laut einer Isenburgischen Verordnung sollten die Schützen "wie von alters her" alle vierzehn Tage schießen. Dazu sollten ihnen jedes Mal ein viertel Wein gegeben werden. Fluchen und Schimpfen auf dem Schießplatz waren ebenso wie das Erscheinen mit unzureichender Munition oder nicht gereinigter Waffe mit Strafe bedroht.

Sichere Kunde vom Bestehen eines Schützenstandes in Jügesheim gibt uns eine Abrechnung, die in einem alten Kirchenbuch gefunden wurde. Diese Einnahmen- und Ausgaben-Rechnung datiert aus den Jahren 1670/1671.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Jügesheimer großherzoglich hessische Untertanen und Leibeigene und in dieser Zeit wohl unfähig, freie Schützengesellschaften zu gründen, wie es in den Städten und größeren Marktflecken vielerorts der Fall war. So hatte auch die Hainer Schützengilde ihren zunftartigen Charakter bewahren können und blieb unter dem Patronat des Grafen von Ysenburg-Büdingen als Hainer Schützengesellschaft bestehen. Erst 1835 war es den Jügesheimern möglich geworden, die Leibeigenschaftsabkaufgelder aufzubringen.

Nach 1843 begann die Zeit der Gründung von Turnvereinen, die besonders während der Revolution 1848/49 politische Bedeutung erlangten, diese jedoch in den folgenden Jahren wieder verloren. In neuerer Zeit haben sich etliche Turnvereine Schützenabteilungen aufgebaut.

Viele Schützenvereine wurden ebenfalls in diesen Jahren gegründet oder lebten wieder auf. Die alten Schützengemeinschaften verloren ihre Bedeutung als Notgemeinschaft in Zeiten der Bedrängnis durch Feinde oder Naturereignisse und wandelten sich in Gesellschaften, Clubs und Vereine zur Pflege des Schießsports und der Schützentradition.

 

Vereinschronik

Am 4. April 1910 versammelten sich 27 junge Männer in der Gaststätte "Zum Forsthaus" in Jügesheim und gründeten einen Schützenverein. Der Verein wurde wurde nach der römischen Göttin des Lichts und der Herrin der Jagt "DIANA" genannt.

Dieser zuerst zwanglose Zusammenschluss wurde am 15. Juli 1920 in das Vereinsregister beim Hessischen Amtsgericht in Seligenstadt eingetragen. Man erwarb ein Grundstück und begann ein Schützenhaus zu bauen. Dieses wurde im Jahre 1921 vollendet und eingeweiht.

Die Vorstandsmitglieder hießen: Jakob Jacob; Alios Adam Sahm; Peter Johann Span 1.; Wendelin August Wilhelm; Franz Wilhelm Roßbach; Peter Jos. Müller; Adam Alios Werner; Johann Baptist Schickling.

 

Alois Werner, Gründer und
langjähriger Vorsitzender
des SV Diana

Das Schützenaus befand sich in der Wasserfallstraße. Die ersten Schießen waren im Grundstückslokal mit Zimmerstutzen ausgeführt worden. Jedes Jahr schloss mit einem Preisschießen und dem Martinus-Ball ab, in der Folge zur Tradition und in den 60er Jahren als " Familienfeier" wiederbelebt wurde.

Auf dem Schießstand waren die Schießstunden auf Sonntagnachmittag festgesetzt und erfreulicherweise immer gut besucht.

Ein 10. Platz beim internationalen Schießen in Friedberg 1928 konnte als schöner Erfolg der Jügesheimer Schützen verbucht werden.

Aus den Statuten, die anlässlich der Eintragung in das Vereinsregister angefertigt wurden und aus erhaltenen Mitgliedskarten geht hervor, dass die Jügesheimer KK-Schützen von 1919 bis 1936 im Mitteldeutschen Kleinkalieber-Schützenverband, mit Sitz in Frankfurt am Main, organisiert waren. Zusammengefasst waren die regionalen Verbände im Deutschen Kartell für Jagt- und Sportschießen, Abteilung Kleinkalieber-Schießsport, mit Sitz in Berlin-Wannsee. Dieses Kartell bestand bis zum Zusammenschluss aller Verbände im Jahre 1936.

 Das 25-jährige Jubiläum wurde unter Anteilnahme des ganzen Ortes gefeiert Festpräsident war Peter Raab, der auch viele auswärtige Schützenbrüder begrüßen konnte. Anlässlich diese Jubiläums wurde auch eine Fahne geweiht, die die Damen des Vereins und die Ehefrauen der Schützen stifteten. Diese Fahne konnte dank des verstorbenen Schützenbruders Adam Jacoby über den 2. Weltkrieg gerettet werden.

Am 1.5.1940 zählte der Verein 52 Mitglieder. Davon waren 18 passive Mitglieder, 12 Schützen waren beim Militär. Die Standanlage wurde von den damaligen Organisationen zu Übungszwecken benutzt. In Anbetracht des Krieges ruhte die Vereinsarbeit weitgehend und kam bei Ende des Krieges ganz zum Erliegen.

 

1912




1935 in Offenbach-Bieber

Einigen älteren, leider bereits verstorbenen Mitgliedern, ist es zu verdanken, dass der SV Diana im Jahre 1952 wieder aktiv werden konnte. Nach und nach war nämlich den Vereinen die Ausübung ihres Sportes wieder erlaubt worden, auch den Schützenvereinen. Diesen jedoch mit der Einschränkung, dass nur Luftdruckwaffen verwendet werden durften

 

 

 

Am 3. September 1952 fand die Versammlung der alten Schützen zur Wiedererrichtung des alten Schützenverein "Diana" statt. Anwesend waren zehn frühere Schützen. Per Akklamation wurde der Vorstand wie folgt gewählt

1. Vorsitzender

Rechner

Schriftführer

Schießwart

Kassierer

Beisitzer

 

 

Alois Werner

Valentin Wilhelm

Peter Adam Raab

Adam Wilhelm

Franz Span

Alois Sahm, Adam Schwab, Christian Jakoby

Unter dem Vorsitz des Schützenbruders Heinrich Rackensberger (1958 bis 1968) lebte der Verein sichtlich auf. Unter seiner Führung fand auch das 50-jährige Jubiläumsfest statt. Der Schützenverein und viele Freunde feierten vom 23. bis 25. Juli 1960 ein Fest, an dem auch viele auswärtige Schützen begrüßt werden konnten.

 

 

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